Historisches – Geschichte der Nachtzüge

Internationale Vorreiter bei den Nachtzügen waren die USA. In den Weiten des amerikanischen Kontinents zeigte sich sehr schnell, welche Vorteile es hatte, einen großen Teil der Bahnfahrt schlafend zu verbringen. Erste Schlafwagen wurden bereits um 1830 gebaut. Ihre Weiterentwicklung in den 1850er- und 1860er-Jahren war vor allem mit dem Namen George Mortimer Pullman verknüpft. Pullman war ein vielseitig begabter und erfolgreicher Industrieller. Seine luxuriösen Schlafwagen wurden trotz ihres enormen Preises ein voller Erfolg und setzen Komfortstandards für die künftigen Nachtzüge.

In Deutschland verkehrten die ersten Nachtzüge bereits im Jahr 1852 – nur 17 Jahre nachdem mit dem Dampfzug von Fürth nach Nürnberg der reguläre Eisenbahnbetrieb aufgenommen wurde. Zunächst fuhren auf deutschen Schienen nur unbequeme Sitzwagen, bevor der Belgier Georges Nagelmackers das Vorbild der Pullman-Wagen aus den USA nach Europa übertrug. Nagelmackers stattete Luxuszüge aus und erwarb Konzessionen für die Strecken Ostende (Belgien) – Brindisi (Süditalien) sowie Paris – Wien.

Mit dem Orientexpress durch die Nacht

Der Belgier gründete 1872 die Bahngesellschaft „Compagnie Internationale des Wagons-Lits“ (CIWL). Nach einigen Anlaufschwierigkeiten fuhr die CIWL 1883 zum ersten Mal von Paris über München, Wien, Budapest, Bukarest und schließlich per Schiff nach Konstantinopel. Dies war nicht irgendein Nachtzug, sondern die Geburtsstunde des legendären Orientexpress. Später verkehrte der Orientexpress über Belgrad und Sofia, nahm während der Weltkriege alternative Routen, wurde schließlich verkürzt, aber erst 2009 endgültig eingestellt.

Im 19. und frühen 20. Jahrhundert war es in bürgerlichen und adligen Kreisen sehr populär, in Luxus-Nachtzügen quer durch Europa zu reisen. Die Fahrt war mehr als nur ein Ortswechsel – sie war ein gesellschaftliches Ereignis. In den 1950er-Jahren war die Zeit des Glamours weitgehend vorüber. Stattdessen wurden die deutschen Nachtzüge ein Massenverkehrsmittel, ein Ausdruck des Wirtschaftswunders und der neu erwachten Reiselust: Wer noch kein Auto hatte, nahm den Liegewagen nach Italien oder Spanien.

Der Nachtzug schrumpft, aber behauptet sich

Im Laufe der kommenden Jahrzehnte stiegen viele Urlauber vom vergleichsweise beschaulichen Nachtzug in das schnellere Flugzeug um. Die Nachtzüge bedienten nun einen schrumpfenden Markt, der wechselnde Produktbezeichnungen wie „Eurocity-Nacht“, „CityNightLine“ oder „EuroNight“ hervorbrachte. Im Jahr 2016 stellte die Deutsche Bahn ihren CityNightLine (CNL) ein und besitzt seither keine eigenen Nachtzüge mehr.

Allerdings wurden viele Strecken von den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) übernommen, die hier mit ihrem „Nightjet“ unterwegs sind. Mit dem „Urlaubs-Express“ kam ein weiterer, privater Anbieter hinzu. Nach ersten Informationen sind die neuen alten Nachtzüge wirtschaftlich erfolgreich, sodass mit ihrem Fortbestand zu rechnen ist. Der Nachtzug hat also weiterhin seine Freunde – und wird sie auf absehbare Zeit behalten.

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